Flirten lernen

Muss man sich für die Liebe eigentlich komplett verbiegen?

3 Min. Lesezeit freemeet
Muss man sich für die Liebe eigentlich komplett verbiegen?

Mal ehrlich: Was heißt es eigentlich, für jemanden 'alles zu tun'? Klar, ein bisschen Flirten, der richtige Blick oder das Zeigen der eigenen Schokoladenseite gehören dazu, wenn man auf freemeet neue Leute kennenlernen will...

Gleich zu Beginn eine grundlegende Frage: Heißt jemandem gefallen eigentlich, sich komplett aufzugeben? Klar, ich predige oft, dass ein gezielter Blick beim Flirten wahre Wunder wirken kann, dass man zu seiner Persönlichkeit stehen und dorthin gehen sollte, wo Singles unterwegs sind. Aber habe ich je gefordert, dass Sie sich in einen willenlosen Dienstleister für Ihren Schwarm verwandeln?

Eben nicht! Und Sie wären vermutlich baff, wenn Sie wüssten, wonach Ihr neuer Partner wirklich sucht. Sicher wartet niemand – besonders frisch verliebt nicht – darauf, dass Sie in seiner Bude den Großputz übernehmen, Regale andübeln oder gleich den Krankenpfleger mimen…

Wer beim Flirten überzeugen und jemanden an sich binden will, setzt auf etwas ganz anderes: Zeigen Sie, wer Sie wirklich sind und was in Ihnen schlummert, auch wenn Sie absolut nichts verbergen wollen. Meinen Sie ernsthaft, Ihr Gegenüber brennt darauf zu erfahren, ob Sie der geborene Handwerker oder die Putzfee vom Dienst sind? Wohl kaum! Servieren Sie das auf dem Silbertablett, ist der Zauber im Nu verflogen und die zarte Liebe ergreift sofort die Flucht.

Warum also sich völlig verbiegen?

Ist die Angst, den anderen zu verlieren oder anzuecken, wirklich so groß, dass Sie sich komplett verdrehen? Vielleicht läuft gerade erst das zweite Date und Sie nicken bereits zu absolut jeder Laune Ihres Gegenübers ab!

Glauben Sie etwa, man müsse sich selbst auslöschen, um attraktiv zu wirken? Hoffen Sie insgeheim auf eine Belohnung in Form von bedingungsloser Liebe? Und mal ehrlich: Wären Sie in einer Partnerschaft glücklich, in der sich Ihr kompletter Kosmos nur noch um die andere Person dreht?

Alles für den Partner – mit welchem Ziel?

Diese Frage verdient Ihre volle Aufmerksamkeit. Die Beweggründe mögen vielfältig sein, taugen aber selten zum Erobern. Wer stets nur kuscht und jeden vermeintlichen Wunsch von den Augen abliest, wacht nach ein paar Jahren auf und fragt sich, wer da eigentlich neben ihm sitzt.

Man hat so viel Energie in fremde Erwartungen gesteckt, dass beim Aufwachen die Ernüchterung folgt: Das ist doch nicht der Mensch, den ich gesucht habe. Im rosaroten Dunst der ersten Wochen denkt man natürlich, man sei immun dagegen – und doch passiert es schneller als gedacht…

Das wichtigste Rezept lautet daher: Bewahren Sie sich Ihre Unabhängigkeit. Echte Gefühle wachsen nun mal nicht auf dem Nährboden von Unterwürfigkeit. Sich ständig verbiegen, um es dem anderen recht zu machen, hat weder etwas mit Liebe noch mit gekonntem Flirten oder einer starken Beziehung zu tun. Ja, Ihr Gegenüber ist toll – aber Sie sind es schließlich auch! Behalten Sie also bei der Suche nach dem Deckel für Ihren Topf Ihre eigenen Bedürfnisse im Blick.

Wie ich so oft sage: Unter jeder Angst schimmert ein eigener Wunsch hervor, und genau um dieses Bedürfnis sollten Sie sich kümmern. Wer gelernt hat, sich selbst wertzuschätzen, für den wird das Date zum puren Kinderspiel.

Diesen Artikel teilen

Hat dir dieser Artikel gefallen?